#Kugelkuchen

Der goldene Schnatz mit Schokokuchen

Es ist mal wieder soweit, die Kinder meiner Schwester haben Geburtstag und da möchte ich mich natürlich nicht lumpen lassen. Mein Neffe hat als erstes Geburtstag und steht nun mit seinen 12 Jahren an der Schwelle zum Teenager. Mit Zügen, Lastern oder Traktoren brauche ich ihm nicht mehr kommen. Vorbei sind die niedlichen Antworten. Wenn ich ihn frage: „Weißt du eigentlich, warum es hier im Norden so flach ist?“ antwortet er mit: „Ja, weil hier alle so viele Flachwitze erzählen.“ Fips Asmussen lässt grüßen. Was er momentan sehr gerne liest, ist Harry Potter. Und ich, die mit 36 Jahren auch immer noch Fan von Blitznarbe-Harry ist, kann das sehr gut verstehen. Ich habe auch ein paar neue Backformen, unteranderem die Halbkugel-Backform von Féerie Cake, die ich ausprobieren möchte. Und welcher runde Gegenstand fällt euch im Zusammenhang mit Harry Potter ein? Genau, der goldene Schnatz (Rezept, siehe unten).

Ich habe mir im Internet angeschaut, wie andere Bäcker ihre Schnatzkuchen gestaltet haben und mich entschieden den Kuchen als eine komplette Kugel mit Flügeln zu backen. Der Kuchen selber wird ein Schokokuchen, der nicht zu weich und sabschig ist, damit die Kugel nicht auseinanderfällt. Drumherum und zwischen die beiden Halbkugeln kommt eine Vanillecreme. Das ganze decke ich dann mit weißem Fondant ein, den ich einkerben werden, damit er wie der echte goldene Schnatz aussieht. Zum Schluss kommt noch essbares Goldspray zum Einsatz für den Glanz und zwei Flügel, damit er fliegen kann.

Klingt relativ einfach und im Gegensatz zum Mumien-Kuchen vom letzten Jahr, ist er das auch tatsächlich. Ich bin diesmal wieder bei meiner Mutter in der Küche, damit mir beim Transport nicht die Kugel vom Teller rollt. Der Teig ist schnell und einfach zubereitet. Da meine Backform 20x10cm ist, befürchte ich, dass der Kuchen sehr groß werden wird, wenn ich den Teig zweimal anrühre und aufeinanderstaple. Deshalb wiege ich vorher die Schüssel ab, damit ich nachher den fertigen Teig abwiegen und quasi halbieren kann. Dann gebe ich den halben Teig in die mit Backpapier ausgelegte Form, damit die runde Kuchenspitze nicht hängen bleibt. Nach etwa 30-40 Minuten hole ich den fertigen Kuchen aus dem Backofen. Normalerweise ist es für mich in Ordnung, wenn die Mitte des Schokokuchens noch etwas weich ist, da aber diesmal das Gewicht des Kuchens auf der runden Spitze ruhen wird, muss auch die Mitte durchgebacken sein. Der Pikstest verrät mir, wann es soweit ist.

Nachdem ich auch die zweite Halbkugel aus dem Ofen holen und diese abgekühlt ist, stelle ich fest, dass der Kuchen doch recht klein wird. Naja, dann muss ich wenigstens keine Stützen wie Strohalme mit einbauen. Ich schneide also mit meinem Kuchenmesser die Unebenheiten der beiden glatten Seiten der Halbkugeln so zurecht, dass sie plan aufeinanderliegen. Dann schneide ich quasi den Äquator meines Kuchens so zurecht, dass sich eine Kugel ergibt. Na gut, eine richtige Kugel ist es nicht, mehr eine Frikadelle, aber für eine Kugel müsste ich noch mehr von dem köstlichen Kuchen abschneiden. Es bleibt also bei der Schokoschnatzfrikadelle.

Nun bereite ich die Vanillecreme vor und verteile sie noch warm zwischen den beiden Halbkugeln. Anschließend verteile ich die Creme auf der ganzen Kugel und versuche die restlichen Unebenheiten mit ihr auszufüllen, um eine glatte Oberfläche zu bekommen. Dann fange ich an den weißen Fondant auszurollen.  Ein wenig Puderzucker auf dem Tisch und an der Rolle helfen, damit die weiße Masse nicht kleben bleibt. Der Umfang meiner Kugel ist etwa 16cm, so grob gerechnet muss der Fondant in Länge und Breite doppelt so groß wie der Umfang sein, damit er über den ganzen Ball passt. Meiner ist sogar mehr als 40cm breit. Sollte reichen. Mit beiden Händen hebe ich den ausgerollten Teig schnell über die Kugel, bevor er reißt. Deshalb nicht zu dünn ausrollen, das gibt hinterher nur Löcher. Dann streiche ich die Masse mit den Händen von oben bis unten glatt an den Kuchen. Das geht ganz gut, bis ich unten angekommen bin.

Unten habe ich zu viel Masse, deshalb schneide ich den überschüssigen Fondant ab, forme daraus einen Ball, wickle ihn in Folie ein und lege ihn später in meinen Vorratsschrank. Den unteren Rand schiebe ich unter die Kugel. Hierfür benutze ich ein Modellierwerkzeug aus Plastik, wenn du die Finger benutzt, dann wird der Fondant weich und klebrig. Deshalb benutze am besten ein Werkzeug um den Fondant zu modellieren. An einer Stelle ist der Fondant bei mir tatsächlich etwas dünn, ich versuche ihn mit einem dünnen Stück Fondant zu reparieren. Auf meinem Handy öffne ich ein Bild vom goldenen Schnatz aus dem ersten Harry Potter Film. Ich stelle es neben den Kuchen und schnappe mir ein Modelliertool mit einer abgerundeten Spitze, ähnlich wie ein Bogen, damit ich die Maserungen in den Fondant drücken kann. Ich übertrage die Linien vom originalen Schnatz zunächst mit der Werkzeugspitze dünn auf den Kuchen. Als alle Linien leicht vorgezeichnet sind, drück ich mit der bogenförmigen Spitze die Linien in den Fondant und fahre den jeweiligen Strich entlang. Zum Schluss kommen noch zwei kleine Fondantkügelchen links und rechts auf den Kuchen, dort werde ich später die Flügel platzieren.

Jetzt stelle ich den Kuchen in den Kühlschrank, damit mir nichts davon wegschwimmt. Als ich ihn später raushole, sehe ich, dass die Vanillecreme wohl nicht so gut mit dem Fondant funktioniert. Meine kleine geflickte Stelle ist undicht und die Creme ist dort rausgetropft. Ich versuche sie wieder zu schließen, aber die Wunde heilt nicht – ist wohl Bluter der Kuchen. Provisorisch hält der Kuchen dicht. Jetzt nehme ich mir die Dose mit dem Goldspray zur Brust und sprühe den gesamten Kuchen ein, von oben, unten, der Seite – zum Glück habe ich jetzt endlich einen Drehteller, der mir die Arbeit erleichtert. Ich lasse das Gold kurz trocknen und nehme mir dann den schwarzen Lebensmittelstift. Ich zeichne die Einkerbungen nach und verwische die schwarzen Linien leicht mit dem Finger. Nun sehen sie etwas älter und realistischer aus. Zum Schluss stecke ich die beiden Federn in die jetzt goldenen Kugeln und fertig ist der Schnatz.

Die Freude über den Kuchen ist meinem Neffen ins Gesicht geschrieben. Auch der Schokokuchen schmeckt sehr lecker. Einzig würde ich nächstes Mal lieber eine Ganache nehmen, damit der Fondant nicht vom Kuchen rutscht nach dem Anschneiden. Ansonsten ist der Kuchen tiptop und ein voller Erfolg. Mein Neffe sagt: „Das ist der coolste Kuchen, den ich je bekommen habe.“ Na, da kann er doch noch sehr niedlich sein.

Rezept:
Als erstes werden die 4 Eier und die 200g brauner Zucker schaumig geschlagen. Währenddessen müssen 200g Butter geschmolzen und anschließend zu dem Eigemisch hinzugegeben werden. Gut verrühren.
Die trockenen Zutaten mischen: 120g Mehl, 100g Kakaopulver, 50g Puderzucker, 1TL Backpulver und 1 Päckchen Vanillezucker. Das Ganze dann mit dem Eigemisch gut verrühren.
Ich habe den Teig halbiert und nacheinander in einer halbkugel-Backform gebacken, jeweils etwa 30 Minuten bei 180°C. Der Kuchen wurde dadurch recht klein. Wenn du einen größeren Kuchen bekommen möchtest, rate ich den Teig zweimal zu rühren und zu backen. Dann musst du aber wahrscheinlich den Kuchen später etwas stabilisieren, wenn du daraus eine Kugel machen möchtest.
Meine beiden Hälften sind klein und leicht, deshalb muss ich sie nicht abstützen. Sie passen nicht exakt zusammen, ich schneide die oberen Ränder und die Seiten leicht ab, bis sich eine Kugel ergibt. Ich bereite eine Vanillecreme zu aus 500ml Milch, einem Päckchen Vanillepudding (ca. 60g) und etwa 3El Zucker. Das ganze mindesten zwei Minuten aufkochen. Dann streiche ich die Vanillecreme zwischen die beiden Kuchenhälften. Und anschließend streiche ich die Creme um die gesamte Kugel und versuche mit ihr Unebenheiten abzudecken. Das Ganze muss dann fest werden.
Nun streust du Puderzucker auf den Tisch und rollst etwa 500g oder auch weniger weißen Fondant aus. Er muss etwa doppelt so breit und lang ausgerollt sein, wie der Durchmesser der Kugel beträgt. Bei mir ist er 16cm, also roll ich den Fondant auf 38cm aus. Nun wird der Fondant vorsichtig und mit beiden Händen über die Kugel gelegt. Mit den Händen wird die weiße Schicht von oben nach unten glatt an die Kugel gestrichen. Unten wird der überschüssige Fondant abgeschnitten und am besten mit einem Plastik- oder Holzstiel unter die Kugel geschoben und glattgestrichen. So entsteht ein sauberer Abschluss.
Mit einem Modellierwerkzeug drücke ich die Einkerbungen des originalen Schnatzs in meinen Fondantmantel des Kuchens. Ein Bild des kleinen Balles hilft mir hier. Zwei kleine Fondantkügelchen die ich links und rechts auf der Kugel anbringe dienen später als Halterung für die Federflügel. Nun sprühe ich den Kuchen mit essbarem Goldspray ein, bis keine weiße Stelle mehr zu sehen ist. Nachdem die Farbe getrocknet ist, male ich mit einem schwarzen Lebensmittelstift die Einkerbungen aus und verwische das schwarz mit den Fingern. Das verleiht den Kerben mehr tiefe. Zum Schluss werden die beiden Federn in die zwei Erhebungen gesteckt und fertig ist der goldene Schnatz. Guten Appetit!