#Kuchen

Mumien Kuchen mit viel Hintern

Ich habe manchmal Fantasien – vor allem von Dingen, die ich sehr gut kann, obwohl ich eigentlich weiß, dass ich sie nicht so gut kann. Ich stelle mir vor wie ich elegant Parkour laufe, dabei schaffe ich es nicht mal mich eine Sekunde an einem Reck zu halten. Oder ich stelle mir vor wie ich mein neues Sofa alleine bis in den vierten Stock trage, obwohl ich es wohl nicht mal durch die Haustür schaffen würde. So stell ich mir eben manchmal vor, wie ich diese unglaublich kreativen und faszinierenden Torten nachbacken kann, die sich einige für Tortenwettbewerbe ausdenken. So wie etwa diese Torte hier:

Spaghetti-Mumie, Quelle: Jessica Allard

Spaghetti-Mumie, Quelle: Jessica Allard

Superkuchen, Superidee – und besonders passend für meinen Neffen, der am 31. Oktober Geburtstag hat, also Halloween. Ich muss gestehen, die Anleitung der Bäckerin habe ich erst entdeckt, als ich angefangen habe, diesen Beitrag hier zu schreiben. Tja… Daher präsentiere ich hier eben nun meine eigene Interpretation dieses coolen Kuchens (siehe Rezept am Ende). Da mein Neffe etwas weiter weg wohnt und dieser Kuchen vermutlich eine wacklige Angelegenheit werden wird, habe ich beschlossen die Torte bei meiner Mutter zu backen. Dort wird es auch die kleine Familienfeier geben. Und dabei kann sie mir vermutlich noch ein wenig helfen.

Ich habe mich entschieden als Grundteig einen Cake-Pop Teig zu nehmen, da dieser leicht formbar ist und auch auf Spießen serviert wird. Gut, die sind dann in der Regel etwas kleiner und tragen nicht noch Kopf und Arme, aber vielleicht funktioniert es ja. Für die Mullbinden werde ich ein Gemisch aus Marzipan und Fondant nehmen, da ich Fondant alleine nicht lecker finde und Marzipan alleine schnell viel zu weich ist.

Zuerst verrühre ich die leider nicht so weiche Butter mit dem Zucker. Dies alles natürlich unter den Augen meiner aufmerksamen Mutter – ich bin schließlich erst 35 Jahre alt und wer weiß, vielleicht bediene ich ja das Rührgerät nicht richtig. Als ich dann die Eier in den Teig gebe, beschließt meine Mutter mich in der Küche alleine zu lassen. Sie scheint mir nun zu vertrauen, oder kann sich mein Desaster nicht länger ansehen. Ich gebe das Mehl, das Backpulver und ein wenig Kakaopulver hinzu, weil ich gerne dunkle Kuchen mag. Man kann stattdessen natürlich 30 Gramm mehr Mehl nehmen. Eine relativ feste und klebrige Masse entsteht, die ich in eine Silikonkastenform streiche und für etwa eine halbe Stunde in den Ofen schiebe. Zum Testen, ob der Kuchen fertig ist, steche ich ab und zu ein Stäbchen in die Masse. Als kein Teig mehr daran kleben bleibt, nehme ich ihn raus und lasse ihn bis zum nächsten Morgen abkühlen. Das war der einfach Part.

Am nächsten Tag hole ich den Kuchen aus der Form und lege ihn auf ein Holzbrett. Die harte Kruste schneide ich dünn vom Kuchen ab. Das weiche Innenleben brösel ich in eine Schüssel. In einer anderen Schüssel verrühre ich Frischkäse mit Puderzucker, auch diese Masse ist leicht klebrig. Dann kann sie aber die Kuchenbrösel gut zusammenkleben. Dafür gebe ich die Klebemasse in die Krümel und beginne zu kneten, bis sich ein weicher Klumpen in der Schüssel befindet. Jetzt kann ich anfangen den Körper zu formen – und zwar jeden Körperteil einzeln. Am leichtesten geht der Kopf, einfach eine große Kugel drehen. Der Rest sind eigentlich eher dicke Würste. Aber die Gliedmaßen sollten möglichst proportional zueinander sein, damit es erstens nicht komisch aussieht und zweitens den Körper nicht vorne überfallen lässt, oder etwa die Beine unter dem Gewicht der Masse zusammenbrechen. Die Füße habe ich extra gemacht, damit die Mumie einen besseren Stand bekommt. Doch bevor ich die Figur zusammensetzen kann, muss sie erst einmal für eine Stunde in den Kühlschrank zum Aushärten. Währenddessen knete ich Marzipan mit Fondant zusammen, rollen ihn möglichst lang und flach aus und schneide mit dem Pizzaroller lange Streifen in die Masse.

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Als die Körperteile etwas härter sind, nehme ich die Platte auf der die Mumie liegt heraus. Zusammen mit meiner Mama versuche ich die Mumie zum Stehen zu bekommen. Dafür stecke ich zunächst einen abgeschnittenen Strohhalm in den oberen Körper, quasi als Hals für den Kopf, den ich direkt daraufsetze. Das hält schon mal. Für die Arme nehme ich kleine Zahnstocher und stecke sie zur Hälft in den Arm und mit der anderen Hälfte in den Körper. Das hält auch noch. Mit zwei weiteren Zahnstochern bringe ich die Füße an den Beinen an. Sie stehen, sehr gut sogar. Jetzt muss nur noch der Körper auf den Beinen halten. Meine Mutter ist skeptisch. Mein Papa schaut nur kurz und geht lieber ins Wohnzimmer. Ich nehme wieder zwei Strohhalmstücke und stecke eines in das linke Bein und das andere in das Rechte. Der Körper der Mumie ist schwer, die Beine sind weich, die Strohhalme vielleicht nicht stark genug. Meine Mutter schaut zweifelnd, als ich den Oberkörper auf die Beine schiebe. Ich rücke die Beine zurecht, versuche das Gleichgewicht der Figur zu finden. Es hält – nicht. Mist. „Die Arme sind länger als die Beine. Und er braucht einen Hintern, sonst fällt er vorne über“, sagt meine Mama. Mit meiner linken Hand halte ich die Figur aufrecht, mit der rechten rupfe ich ein wenig von den Armen ab, knete die beiden Klumpen wieder zusammen und klebe sie der Mumie hinten an den Rücken. Sie hat jetzt einen prächtigen Arsch.

Mit einem Minikuchenständer aus Pappe versuchen wir der Mumie ein wenig mehr Halt zu geben und siehe da: Sie steht tatsächlich. Jetzt sitzt sie mit ihrem prächtigen Hinterteil auf dem Kuchenständer. Wir beginnen also mit den Mullbinden. „Möchtest du einen Kornähren-Verband“, fragt meine Mutter. Ganz die Krankenschwester, die sie ist. Und ja, so ähnlich versuchen wir es zumindest, soweit man das mit Zucker und Marzipan überhaupt hinbekommt. Die erste Binde wickeln wir um den Kopf und achten darauf die Bahnen ein wenig überlappen zu lassen. Und hier merke ich auch, dass unsere Konstruktion mit dem Kuchenständer wohl doch nicht funktionieren wird. Das zusätzlich Gewicht des Marzipans drückt auf die weichen Beine. Sie werden immer kürzer und dicker. Der Teig ist nicht hart genug. Die Mumie muss wohl doch sitzen. Ich ziehe die Beine also aus dem Körper raus, setze den Oberkörper direkt auf die Platte und stecke die Strohhalmenden vorne wieder rein.

Hier macht sich auch der frisch gebaute Hintern sehr nützlich. Er ist eine gute Stütze. Und auch die Beine funktionieren hier besser. Nachdem nun alle Körperteile wieder richtig festgedrückt, die Proportionen angepasst und die Füße an den Beinen sind, wird auch der Rest des Körpers mit Mullbinden eingewickelt. Unten schiebe ich mit einem Holzspieß das Marzipan-Fondant-Gemisch unter den Körper, damit es so aussieht als ob der Verband Drumherum weitergeht. Versucht das bloß nicht mit den Fingern zu machen, der Marzipan wird weich und wird nur immer wieder an euren Fingern kleben bleiben. Wahnsinn in diesem Fall ist garantiert. Zum Schluss habe ich etwas schwarze Lebensmittelfarbe auf meinen Finger getropft und mit diesem Finger leicht über den Verband gestrichen, so sieht es am Ende ein wenig alt aus. Für die Augen habe ich zwei große schwarze Kreise mit Lebensmittelfarbe gemalt und Zuckeraugen daraufgesetzt. Der Mund hat rote Lebensmittelfarbe bekommen.

Meine Mutter holt meinen Vater, um ihm zu zeigen wie die Mumie aussieht und ja: Wir sind alle überrascht, dass der Kuchen besser aussieht als gedacht. Bis zur Übergabe wird er nochmal in den Kühlschrank gestellt und anschließend Halloweenmäßig verziert auf den Geburtstagstisch.

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Mein Neffe war begeistert als er ihn gesehen hat und keiner hat sich getraut ihn anzuschneiden, haben wir natürlich doch und er war lecker. Die Masse hat ungefähr die Konsistenz von Rumkugeln, was ich persönlich ja ziemlich steil finde. Allerdings ist sie auch sehr, sehr süß, weshalb ich das nächste Mal weniger Zucker nehmen würde. Im Rezept unten empfehle ich also weniger Zucker zu nehmen. Allerdings kann eine Nacht im Kühlschrank bei diesem Kuchen Wunder bewirken – am nächsten Tag war er gar nicht mehr zu süß und ich musste leider beide Arme und den Popo der Mumie vertilgen. Guten Appetit!

Rezept und Anleitung:
Die 140g weiche Butter werden mit 140g Zucker (ich empfehle 20-30G weniger Zucker) schaumig gerührt. Gebt dann anschließend 2 Eier hinzu und vermischt dies gründlich. Nun kommen 120g Mehl, eine Messerspitze Backpulver und 2 Esslöffel Kakaopulver dazu. Diese leicht klebrige Masse wird in eine gefettete Kastenform oder in eine Silikonform gegeben.
Den Ofen auf 160°Grad drehen und etwa 30 Minuten warten, bis der Kuchen fertig ist. Wenn nach dem Stäbchentest kein Teig mehr dran klebt, den Kuchen aus dem Ofen nehmen und vollständig abkühlen lassen.
Währenddessen verquirlt ihr 80g Frischkäse mit 140g Puderzucker (Auch hier empfehle ich 20-30G weniger Zucker). Dann werden die harten Kuchenränder abgeschnitten und der Rest in eine Schüssel gebröselt. Gebt die Frischkäsemasse hinzu und knetet alles zu einer homogenen Masse. Formt nun eine große Kugel für den Kopf, zwei Beine, zwei Füße, zwei Arme und natürlich einen stabilen Oberkörper. Legt die Körperteile auf eine Platte und schiebt die für eine Stunde in den Kühlschrank, damit die Masse fertig wird.
Während die Körperteile im Kühlschrank sind, mischt ihr eine Packung weißen Fondant mit, einer Packung weißem Marzipan. Eigentlich reicht auch jeweils die Hälfte. Die Masse rollt ihr flach aus und achtet dabei darauf sie möglichst lang zu rollen. Mit einem Pizzaschneider rollt ihr lange Bahnen in die Masse. Das sind die Mullbinden.
Wenn die Körperteile fest sind werden diese zusammengesteckt – entweder mit Strohhalmstücken oder Holzspießen. Die Mumie sitzt, daher werden die beiden Arme vorne angebracht, so auch die Beine. Damit die Figur von ihrem Gewicht nicht umkippt, wird an der unteren Rückseite ein Hintern angefügt. Nun kommen die Mullbinden und werden um den Körper gewickelt. Am besten oben beim Kopf anfangen, gerne auch die Streifen ein wenig überlappen lassen. Unten werden die Binden mit einem langen Stäbchen ein wenig unter die Beine und den Po geschoben – mit den Fingern wird das eine klebrige und anstrengende Angelegenheit.
Sobald alle Binden angelegt sind, gebt einen Tropfen schwarze Lebensmittelfarbe auf einen Finger und wischt leicht über die weißen Binden, dass verleiht einen gebrauchten und alten Eindruck. Mit einem Holzspieß malt ihr zwei schwarze größere Kreise für die Augen auf. Hierauf klebt ihr dann Zuckeraugen. Fertig ist die Mumie.

Umgedrehter Apfelkuchen nach Omas Rezept

Umgedrehter was?? Wieso denn umgedreht? Na ganz logisch: Dieser Kuchen wird auf dem Kopf gebacken und anschließend umgedreht. Ist natürlich praktisch für alle, die es immer schaffen ihren Kuchen zu dunkel werden zu lassen. Außerdem bekommt er so ein sehr schönes Ringmuster. Ja, meine Oma konnte schon gut backen. Viele Rezepte aus ihrem persönlichen Backbuch sind allseits beliebte Familienrezepte geworden mit Kuchen, die bei keiner Feier fehlen dürfen: Trüffelkuchen (ohne Trüffel), Mokkatorte, Erdbeerrolle und eben dieser umgedrehte Apfelkuchen (siehe Rezept am Ende).

Natürlich versuch ich beim Backen ihrer Kuchen ihren Vorlagen gerecht zu werden, aber irgendwie will mein Apfelkuchen nicht so schön aussehen wie bei ihr. Oft konnte ich ihre Kuchen nicht genießen, sie wohnte 640km von mir entfernt im Saarland in Hüttersdorf. Vielleicht ist es deshalb auch einfach nur der Gedanke, dass es bei meiner Oma immer besser schmeckte und aussah – wir hatten immer Ferien bei Oma, waren immer entspannt, haben immer Toffifee bekommen, ein Eis bei Alice gegessen und eben ihre tollen Kuchen genascht. Denn lecker ist meine Version auf jeden Fall auch. Dafür braucht es auch nicht viel Aufwand.

Ich lege also Backpapier in eine Springform, bestreue den Boden mit Zucker und lasse ein wenig – über dem Wasserbad geschmolzene – Butter über den Boden tröpfeln. Jetzt beginnt eigentlich die größte Arbeit: Das Schnibbeln der Äpfel. Natürlich schneide ich nicht gleich das gesamte Kilo Äpfel zurecht, wie viel man am Ende benutzt kommt auch auf die Dicke der Scheibchen und die Größe der Äpfel an. Ich schäle den ersten Apfel, viertel ihn, trenne das Kerngehäuse raus und schneide die Viertel in Scheiben. Dann lege ich diese ringförmig an den äußersten Rand der Springform. Ich viertel und schneide und lege, bis der ganze Boden mit den Apfelschnitzern bedeckt ist. Bei mir sind es drei Ringe und ein Stück in der Mitte. Auf diesen Ring streue ich ein paar gehackte Nüsse. Ja, so hat es meine Oma auch immer gemacht.

Danach schäle und schneide ich einen weiteren Apfel – aber diesmal in kleine Würfel – die ich auf den Apfelringen verteile, bis auch die kleinste Lücke mit Apfel gefüllt ist. So soll möglichst wenig Teig auf den Boden fließen – etwas, dass mir eben noch nicht so gut gelungen ist, wie bei meiner Oma. Ein letztes Mal streue ich weitere Nüsse auf die Äpfel, bevor ich mich dem Teig widme. Dann drehe ich mich um, weil ich mir die Hände waschen will. Gehe einen Schritt Richtung Waschbecken und trete mit meinem nackten Fuß in ein gewürfeltes Stück Apfel. Ob meine Oma auch so energisch die Zutaten durch die Gegend gepfeffert hat?

In einer Rührschüssel schlage ich die Eier, Butter und Zucker schaumig. Dann folgt langsam das Mehl mit dem Backpulver und ein wenig Milch. Hier müsst ihr selber einmal schauen, wenn der Teig zu fest ist, eben noch ein wenig mehr Milch hinzugeben. Die Masse soll nicht suppig sein, aber auch nicht knetbar – mehr die Konsistenz von Nutella…warmer Nutella, sehr warmer. Vielleicht auch ein wenig weicher sogar.

Diese Masse gebt ihr über die Äpfel in der Form und anschließend auf der mittleren Schiene in den Backofen. Mit einem Stäbchen testet ihr, ob auch kein Teig mehr daran kleben bleibt. Ist dies der Fall, ist der Kuchen durch und ihr könnt ihn rausnehmen. Wenn meine Kuchen zu sehr braun werden von oben, lege ich immer ein bissen Backpapier locker darüber, das verhindert, dass er noch dunkler wird.

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Nachdem der Kuchen abgekühlt ist, könnt ihr die Form umdrehen, sie öffnen und den Apfelkuchen auf einen Teller legen. Nun könnt ihr das schöne ringförmige Muster der Apfelschnitze sehen – naja…ich jetzt nicht so unbedingt bei meinem, aber ich weiß ja, dass er da ist. Meine Oma hat uns diesen Kuchen immer mit ein wenig Sahne dazu serviert. Ich mochte besonders die Nussstücke im Teig zwischen den süßen Äpfeln. Sie ist nun seit etwa vier Jahren nicht mehr bei uns, aber ihre Kuchen sind es noch und werden es auch stets sein. Als ich beschloss diesen Backblog zu starten, dachte ich sofort daran, als ersten Kuchen einen von Oma zu präsentieren – quasi als Widmung an sie und ihr Backkünste. Danke Omi. Und euch einen guten Appetit!

Rezept und Anleitung:
Den Boden einer Springform mit Backpapier auslegen. Diesen mit ein wenig Zucker bestreuen und 20g geschmolzene Butter auf den Boden tröpfeln. schnibbelt etwa 1 Kilo Äpfel in kleine Scheiben und legt sie ringförmig auf den Boden, bis dieser bedeckt ist. Nun nach belieben gehackte Nüsse darüber streuen.
Anschließend werden noch ein oder zwei Äpfel in kleine Würfel geschnitte und der Boden damit bestreut bis praktisch keine Löcher mehr frei sind. Danach nochmal ein paar Nüsse verstreuen.
Drei Eier, 135g Butter, und 240g Zucker schaumig rühren. 270g Mehl, ein halbes Päckchen Backpulver und 6 Esslöffel Milch hinzugeben, schön verrühren und dann über die Äpfel verteilen.
Das Ganze dann auf mittlerer Schiene bei 190°Grad etwa 40-50 Minuten im vorgeheizten Ofen backen. nach dem Stäbchentest aus dem Ofen nehmen. Gut abkühlen lassen, dann die Form umdrehen und den Kuchen daraus lösen. Et Voilà! Ihr habt umgedrehten Apfelkuchen.