Brownies mit blauem Puderzucker

Es ist still im Büro, draußen ist es bereits dunkel und die meisten meiner Kollegen aus unserem Gemeinschaftsbüro sitzen bereits zuhause im Feierabend – außer mir. Ich muss noch eine Nachtschicht einschieben, weil ich einen Text abgeben muss und stelle mich auf eine ruhige, aber produktive Nacht ein. Dann kommt mein Kollege Mario, auch er rödelt noch hier rum. Gestern gab es eine Veranstaltung des gemeinnützigen Vereins, der hier die Büroräume mietet. Mario kümmert sich um die Reste. Es gab Waffeln, weshalb hier nun kiloweise Mehl, Eier, Butter, bunte Streusel und blauer Puderzucker in unserer Küche stehen. BLAUER PUDERZUCKER! Wie geil ist das denn, denke ich und probiere ihn. Wahnsinn, der schmeckt genauso wie weißer Puderzucker, wer hätte das gedacht.  „Da muss man doch was daraus machen können“, sagt Mario und sieht sich die Masse an Zutaten an. Und da ich ja eigentlich wirklich sehr viel zu tun habe, beschließen wir kichernd einen Kuchen für unsere anderen Kollegen zu backen. „Die werden Augen machen morgen früh“, sag ich. Insgeheim wollte ich aber mal mit dem blauen Puderzucker backen.

Mario rennt schnell los, um noch Schokolade zu kaufen, denn ich habe zufällig ein Rezept für Brownies dabei, welches ich ausprobieren wollte. Ich setze mich noch schnell an den Rechner und versuche produktiv zu sein. Klappt so semigut. Als wir dann anfangen wollen zu backen, fällt uns auf, was noch fehlt: eine Rührschüssel, ein Handrührgerät und vor allem eine Backform. Das gute an Brownies ist, dass man sie auch direkt auf dem Backblech machen kann und das haben wir Gott sei Dank. Es wird schnell mit Öl und Küchentuch eingefettet und bereitgestellt. Als Rührschüssel nehmen wir einen hohen Kochtopf und zum Umrühren (weil es auch keinen Schneebesen gibt) nehmen wir einen Pfannenwender, der hat auch „Löcher“ und naja…in der Not, backt der Teufel mit einem Pfannenwender…oder so.

Zuerst schmelzen wir die Butter und eine Tafel Schokolade in einer Metallschüssel über dem Wasserbad. Da wir keine Waage haben, schätzen wir die 100g Butter pi mal Daumen ab. Währenddessen schnippelt Mario eine weitere Tafel Schokolade in kleine Stücke, die später in den Teig sollen. In den großen Kochtopf geben wir die Eier und den blauen Zucker – und wie lernen wir schon in der Schule im Kunstunterricht: Blau und Gelb = Grün. Genau, grün sieht unser Masse bisher aus. „Hmm, ein wenig wie Kotze“, schaue ich meinen Kollegen zweifelnd an. „Naja, vielleicht sieht es gleich besser aus“, sagt er hoffnungsvoll. Wir füllen also die geschmolzene Schokolade in den Topf und geben die Schokostücke hinzu, rühren um und schauen in den Topf. „Verdammt, jetzt sieht es aus wie Durchfall“, sagen wir beide. „Das wird doch keiner essen, wenn die Brownies so komisch grünbraun aussehen“, sag ich und suche in unserem Vorratsschrank nach einer rettenden Lösung. Das hat man nun vom blauen Puderzucker.

Ich finde gesüßtes Kakaopulver und gebe etwas in die Masse, in der Hoffnung, die Farbe zu ändern. Es klappt. Nach dem ersten Schub Kakaopulver sieht der Teig nicht mehr so stark grün aus, ein wenig mehr und endlich sieht der Teig ansehnlich aus, eben wie Kuchenteig. Und geschmacklich hat das Kakaopulver auch nur zur Verbesserung beigetragen. Nun gebe ich das Mehl hinzu und Mario rührt um. Fertig ist der Brownieteig, dessen Farbe zwar ansehnlich ist, aber immer noch nicht so brown wie Brownies eben sind. Egal. Jetzt wird der Teig auf das gefettete Backblech gegeben. Es wird keine dicke Teigschicht, aber das sind diese leckeren Schokoküchlein sowieso nicht.

Das Ganze schieben wir dann in den Ofen und schon nach wenigen Minuten schwebt ein herrlicher Schokogeruch durch die Büroräume. Als wir das Blech nach etwa einer halben Stunde aus dem Ofen nehmen, sieht der Teig fantastisch aus. Kurz lassen wir das Blech abkühlen und schneiden dann kleine, rechteckige Stück aus dem Teig. Natürlich probieren wir die noch warmen Brownies und überlegen, wie viele Stücke wir eigentlich überlassen müssen – sie schmecken hervorragend. Auf dem Teller garniere ich sie mit – Achtung Überraschung – blauem Puderzucker und bunten Streuseln.

Wir decken den Teller schweren Herzens mit einem Geschirrtuch ab und platzieren die Brownies so in der Küche, dass die Kollegen sie auch finden. Eine kleine Notiz in unserer Facebook-Gruppe führt dann zu Tumulten, weil Spätaufsteher, den Frühaufstehern Aufträge geben, zumindest ein Stück für später zu sichern. Und mein Text? Tja, der war immer noch nicht fertig. Aber Hauptsache der Kuchen schmeckt. Guten Appetit!

 

Rezept und Anleitung:
Zunächst werden 100g Schokolade mit 100g Butter im Wasserbad geschmolzen. Währenddessen wird eine Tafel Vollmilch-schokolade in kleine Stücke geschnitten. Die 4 Eier werden mit 50 g blauem Puderzucker schaumig geschlagen. Dazu kommt ein Päckchen Vanillezucker.
Anschließend gebt ihr die flüssige Schoko-Butter-Masse in den Teig und rührt das um. Nun kommen die Schokostücke und gesüßtes Kakaopulver, bis der grünlichbraune Teig eine fürs Auge essbare Farbe hat. Zum Schluss kommt etwa 80g Mehl hinzu und ein halber Teelöffel Backpulver und umrühren.
Nun das ganze auf ein gefettetes Backblech und bei 175° Grad auf der mittleren Schiene für 20-30 Minuten backen. Anschließend den Stäbchentest machen und bei bestehen rausnehmen, kurz abkühlen lassen und in kleine Rechtecke schneiden. Das ganz wird dann auch mit blauem Puderzucker garniert. Fertich!